„Wir gebären uns unsere zukünftigen Kunden
selbst“
Dresdner Yenidze verbindet Starthilfe mit Bürovermarktung – durch ein
privates Gründerzentrum
Steffen Herbst weiß: Der Drang, sich selbständig zu machen, ist weit
verbreitet. „Aber wie man es macht, das ist den meisten unklar.“ Um
diesen Leuten mit Ideen bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit zu
helfen, hat der Inhaber des Büro- und Marketingservice (BMS) in der Dresdner
Yenidze ein privates Gründerzentrum gestartet.
Das besteht neben dem 36-jährigen Betriebswirt aus einer Anwältin und
einem Finanzdienstleister, die alle in der Yenidze sitzen. Bei Bedarf könne
er weitere Experten vermitteln, so Herbst. „Der Gründer kommt mit seinem
Konzept zu uns“, erläutert er. „Die Experten bewerten, ob das
Konzept am Markt umsetzbar ist. Wenn ja, geben wir es zur Bank.“ Das sei
für den Gründer ein Vorteil: Ein von Experten vorgeprüftes Konzept,
werde wohlwollender entgegengenommen. Der Gründer bekommt einen Ansprechpartner.
Begleitet wird er drei Jahre lang. „Dann muss er laufen gelernt haben.“
Wer möchte, kann sich gleich in den Büroräumen in der Yenidze niederlassen.
„Hier bekommt er ein komplett ausgestattetes Büro für monatlich
360,00 € inklusive Sekretärin.“ Die einstige Tabakmanufaktur des
Hugo Zietz mit ihrer gläsernen Kuppel sei zudem ein Standort, der sich den
Kunden einpräge.
An diesem Punkt trifft sich der Bedarf des Gründers mit den Interessen des
Bürohaus-Vermarkters Herbst. „Wir gebären uns damit unsere zukünftigen
Kunden selbst.“ Er ist sicher: Ein Gründer, der mit der Beratung zufrieden
ist, werde den Standort kaum wechseln.
Als seine potentiellen Kunden betrachtet Herbst Gründer aus der Dienstleistungsbranche
oder der Informationstechnologie (IT). Aussichtsreichster Kandidat ist derzeit
ein Dresdner, der eine Bootsfahrschule eröffnen will. |
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Auch wenn der Andrang Herbst zufolge groß ist –
einsteigen kann hier nicht jeder. Maximal zehn Gründer sollen es sein. Klasse
statt Masse. Da müsse er Konzepte, die nicht umsetzbar seien, auch mal ablehnen.
Schließlich sei sein Ziel, dass sich die jungen Unternehmen auf Dauer etablieren.
Das liegt auch im Interesse des Arbeitsamtes, das so den Schritt aus der Arbeitslosigkeit
in die Selbständigkeit beispielsweise durch ein Übergangsgeld fördert.
Von 1991 bis 1999 sind nach Angaben des Amtes im Regierungsbezirk Dresden mehr
als 9.000 Existenzgründer gefördert worden, im vergangenen Jahr allein
1.584. In ganz Sachsen sind es jährlich rund 10.000. Eine bundesweite Umfrage
ergab, dass 80 Prozent der Geförderten nach drei Jahren noch selbständig
sind. Für eine hohe Erfolgsquote sei auch kompetente Beratung in der Anfangsphase
entscheidend, sagt Birgit Domschke vom Arbeitsamt in Radebeul. Doch das übersteige
die personellen Kapazitäten des Amtes. „Ein Arbeitsvermittler ist kein
Betriebswirt und Unternehmensberater.“ Dabei steige das Bedürfnis nach
Einzelberatung. Existenzgründerseminare allein genügten nicht. Da seien
Gründerzentren wie das in der Yenidze eine große Unterstützung.
Inzwischen sei das Netz von Beratungsangeboten für Gründer so gut ausgebaut,
dass es schon fast zu einem Dschungel geworden sei, so Birgit Domschke. Um Existenzgründern
das Herumirren zu ersparen, hat das Regierungspräsidium eine Hotline geschaltet.
Unter der Telefonnummer (0 35 11) 8 25 30 09 gibt es erste Orientierung.
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